Moules et Frites

Kaum sind wir nicht mehr im Zelt, gibt es schon wieder zu tun im Haushalt – auch wenn es nur Abwaschen ist.

Darum schnell das Zimmer bezahlen und wieder aufs Velo.

Es geht weiter an Kanälen entlang.

Bald auch wieder Hügel hinauf und über Kornfelder.

Das weite Frankreich. Eindrücklich waren die grossen Seen „Lac d’Orient“. Stauseen die sowohl zum Fischen, für Wassersport aber auch als Naturschutzgebiet dienen.

Wir erreichen Troyes. Der hintere Reifen meines Velos ist strak abgenutzt. Am Stadtrand kann ich beim Velohändler einen neuen Pneu -Mantel kaufen. Zum montieren hat er keine Zeit, da er morgen in die Ferien fährt. Aber ich kann das ja …

Der alte Kern von Troyes besteht aus allerlei krummen Riegelhäusern – charmant und typisch für viele französische Städte.

Die Fahrt weiter übers Land ist zum Teil etwas mühsam, weil die kleinen Dörfer zwar meist ein Kirche haben, aber selten einen Laden oder ein Café – und wenn vorhanden, dann sind sie meist geschlossen wegen der Ferienzeit.

Velofahrer sehen wir ab und zu mal – allerdings selten so beladen wie wir.

Paris ist schon recht nahe. Wir streifen die grosse Stadt im Süden und fahren weiter in Richtung Normandie.

Wind und Regen. Meistens finden wir für die Nacht einen guten Platz zum Zelten. Einmal haben wir das Zelt ins Zelt gestellt – denn die Gartenbeiz am See war geschlossen.

Abwarten und Kaffee trinken. Iren malt Postkarten und ich habe mir etwas schwierige Literatur vorgenommen.

Zum Wochenende hin wird das Wetter wieder besser und wir fahren der „Voie Vert“ (Veloweg auf einer alten Bahnlinie) entlang weiter … der Atlantik ist nun schon sehr nahe.

In Honfleuer erreichen wir die Küste. Am Mittwoch ist Nachtmarkt und das sonst schon recht gut gefüllte Städtchen platz fast vor lauter Touristen.

Der Strand hingegen ist nur locker besucht – es hat ja auch sehr viel Platz, vor allem bei Ebbe.

In Honfleur essen wir auch zum ersten mal wieder Moules et Frites – das gehört einfach dazu und es hat ausgezeichnet geschmeckt.

Das Tempo haben wir jetzt stark reduziert. Wir fahren nur noch ein paar Kilometer pro Tag und geniessen den Strand und andere kleine Freuden (… vom Calvadosfläschli mit passenden Gläsern habe ich leider keine Bild …)

Von dieser Küste aus fahren auch Fähren nach Grossbritanien. Jetzt gerade sitzen wir im Hafen von Ouistreham. Um 16 Uhr fährt die Fähre nach Portsmouth – doch wir lassen es bleiben.

So lange hier der Sommer noch so schön andauert geniessen wir die Normandie noch weiter.

A bien tôt.

Frankreich durchqueren

Wir haben unsere Velos wieder gepackt und verlassen das schöne Aquila. Im Laden sagen wir auf Wiedersehen – wir kommen sicher wieder gerne hierher.

Bis nach Olivone ist es nicht sehr weit. Dort hängen wir die Velos an den Bus und lassen uns zum Pass hochfahren.

Oben angekommen, bläst uns ein kalter Wind um die Ohren. Nach einem kurzen Anstieg durch Galerien fahren wir das Tal hinunter in Richtung Disentis.

Die Strecke die folgt, kennen wir von einer früheren Velotour her. Wir freuen uns schon auf die Rheinschlucht bei Versam.

In Valendas finden wir den grossartigen Dorfbrunnen. Früher wurde hier wohl noch gemeinsam gewaschen und geratscht.

Ob wir den Platz noch finden, hoch über der Schlucht, bei dem wir schon mal übernachtet haben? Kurz nach der Brück bei Versam erkennen wir die Stelle wieder. Ein kleiner Pfad führt hoch zu einem Aussichtspunkt. Wir geniessen den phantastischen Ausblick und übernachten in luftiger Höhe.

Am nächsten Tag geht es weiter dem Rhein entlang nach Chur.

Iren kauft sich endlich die „zünftigen“ Unterhosen, welche Anna & Timon gespendet haben – ein Qualitätsprodukt!

In Bad Ragaz machen wir wieder Halt. Zum ersten Mal auf unserer Reise machen wir ein Lagerfeuer. Cervelats und Haloumi schmecken ausgezeichnet.

… und unser Trinkwasser kommt für einmal aus edler Quelle – wenn auch lauwarm.

((… auch Postautos müssen mal in die Garage …))

Der Rhein macht eine Kruve in Richtung Norden und wir folgen ihm. Bald schon sind wir in Lichtenstein und dann in Österreich. Hier beim alten Rhein gibt es stille, idyllische Seitenarme – Wasserschutzgebiet – doch Baden und Fischen darf man.

Bei Bregenz, wo der Rhein in den Bodensee mündet höheren wir am Abend Feuerwerk aus der Schweiz – der 31. Juli. Morgen feiern wir Hochzeitstag 🙂

Die Inselstadt Lindau ist ganz schön – die Weiterfahrt entlang dem nördlichen Bodenseeufer gefällt uns weniger: zu viele formlose Siedlungen und zu viele Velofahrer.

Von Friedrichshafen fahren wir mit dem Schiff nach Konstanz und dann weiter in Richtung Schweiz. Den 1. August feiern wir in Gottlieben mit Fischknusperli und lokalem Weisswein – eine echte Alternative zur traditionellen Cervelat 🙂

In der Nähe von Stein am Rhein wohnen frühere Mitbewohner von uns. Sie haben die alte Mühle in Wagenhausen umgebaut und leben nun schon einige Jahre dort am Rheinufer. Wir haben Glück: gerade am Tag zuvor sind sie von den Ferien nach Hause gekommen und wir können sie besuchen. Wir geniessen den Aufenthalt und bringen gemeinsam die Hühner zu Bett. Das habe ich bisher auch noch nie gemacht … und flupp, schon sitzt wieder eins auf dem Stängeli.

Geplant war der Besuch nicht. Hingegen in Schaffhausen bei Anna & Timon, da wollen wir vorbei. Es stellt sich aber heraus, dass die beiden ebenfalls auf einer Velotour sind. Kein Problem: Der Schlüssel kommt per Post und auch Vera hat Zeit für einen Besuch im Städtli mit dem Munot.

Von Schaffhausen nach Diessenhofen führt ein Weg dem Rheinufer entlang. Viele Plätze laden ein zum Picknick und viele Weidlinge (Flussboote) finden den Weg zu ihnen. Es gibt eine Warteliste für Anlegeplätze für Weidlinge: man waretet ca. 25 Jahre, bis man einen solchen Platz ergattern kann.

Von Diessenhofen sind wir per Schiff in knapp 1h wieder zurück in Schaffhausen.

Anna & Timon sind von ihrer Velotour zurück. Am nächsten Morgen geht es aufs Feld. Anna ist für die Saison als „Gärtnerin“ bei BIOLOCA angestellt. Wir jäten bis ein Gewitterregen uns erlöst und geniessen am Abend ein reichhaltiges Gericht mit viel Zwiebeln – denn einige haben wir aus Versehen mit ausgerupft.

Unser nächstes Ziel ist noch nicht so klar. Schottland schwebt uns vor. Im Städtli schmöckern wir in der Buchhandlung und fassen den Entschluss in die Normandie zu fahren. Je nach Weg sind das 800-900 km. Und das Meer riecht dort wieder anders.

Durch das Elsass und an der Saône entlang sind wir nun in Langres angekommen. Nach einigen Tagen Camping in Feld und Wald ist eine Stadt auch wieder interessant. Nach dem Mittagessen besuchen wir die Kathedrale.

Heute um 17 Uhr findet hier ein Orgelkonzert statt. Der Organist ist schon am einspielen und zieht alle Register.

Es regnet. Zwei durchnässte Velofahrer machen vor der Kathedrale Halt. Es sind Italiener und sie wollen im Hospiz der Kirche übernachten. Wir sind zwar keine Pilger, doch die Idee gefällt uns. Der Herr am Empfang ist freundlich und zeigt uns bald unser Zimmer.

Das kommt wie gerufen. Ein Bett, eine Dusche und eine Küche mit Wasser aus dem Hahn. Besser geht es nicht – nur schlechter 🙂

Hängen geblieben

Aus wenigen Tagen wurden nun drei Wochen in Aquila – so ist das halt, wenn man sich treiben lässt.

Doch jetzt geht es weiter. Die Velo-Taschen sind gepackt und der Reifen-Druck ist kontrolliert. Morgen fahren wir zuerst per Bus auf den Lukmanier und dann hinunter zum Rhein …

Wir blicken zurück auf eine schöne Tessiner-Zeit. Noch nie waren wir so lange hier im Bleniotal. Wir haben vieles neu oder wieder entdeckt.

Ob am Fluss oder hoch hinaus – zu Fuss oder für einmal mit dem Mountain-eBike. Es war toll.

Die Besuche von Familie und Freunden haben uns sehr gefreut. Wandern, Baden, Boccia-Spielen, Essen und einfach zusammen sein. Danke das ihr bei uns wart!

Im Haus in Aquila haben wir uns nützlich gemacht und die eine oder andere Reparatur durchgeführt, den Boden aufgemöbelt und den Garten gepflegt. Die Tessiner Oase hat es verdient!

Einen Abstecher nach Cham lag für mich auch noch drin: Im Langhuus gab es einiges zu besprechen und zu bestaunen – tolle Arbeit haben da meine Kolleg*Innen geleistet.

Unsere Hausbewohnerinnen in der Rosenegg habe ich ebenfalls angetroffen und bin froh, dass sich alle wohlfühlen. Der Garten gedeiht überschwänglich. Die Schildkröten geniessen den Sommer.

Morgen geht es weiter. Vielleicht fahren wir entlang dem Rhein raus – wieder raus aus der Schweiz.

Wir freuen uns auf neue Abenteuer.

Tessiner Tage

Die Adriaküste in Italien hat es in sich. Das Schema ist in etwa so: einsamere Strände werden gefolgt von Lidi, wo sich bald Sonnenschirm an Sonnenschirm reiht. Dahinter ein Gürtel aus Bars und Restaurants und dann Siedlung, deren Kern etwas oberhalb liegt. Hauptstrasse und Bahnlinie quetschen sich irgendwie dazwischen. Die Ferienlandschaft wirkt recht entspannt und das Velofahren ist durchaus gemütlich auf den Radstreifen.

In Pescara fahren wir über eine imposante Brücke, die extra für den Veloverkehr gebaut wurde.

So nach und nach haben wir genug vom Lido-Velofahren. Wir wollen noch bis Ancona und dann allenfalls mit der Fähre hoch zurück nach Venedig.

Doch wie oft schon kommt es anders: Die Fähre fährt erst in zwei Tagen und über den Brenner zu radeln mit dem Velo, reizt uns auch nicht wirklich.

Wir finden eine gute Alternative: Es gibt eine recht gute Zugverbindung nach Milano mit Velo-Selbstverlad. Ausserdem hat sich unsere Tochter Vera gemeldet: Sie hat ab nächster Woche Ferien und würde sich freuen, mit uns zusammen etwas zu unternehmen.

Dann ist der Entschluss klar. Wir fahren in Richtung Tessin.

Im Bahnhofbuffet von Ancona essen wir gut und einfach und fahren danach los in Richtung Milano.

Zwar müssen wir mal eine Zugverbindung überspringen, weil der ganze Zug vollgestopft ist und wir mit unseren doch etwas sperrigen, bepackten Vehikeln nicht mehr reinpassen. Doch um 21 Uhr Abends sind wir in Milano und erwischen gerade noch den letzten Zug, der uns bis nach Bellinzona bringt.

Die Übernachtung ist endlich wieder mal richtig erholsam. Weg von der Hitze. Der Ticino, der ganz in der Nähe fliesst, macht uns am Morgen frisch und wir pedalen los in Richtung Aquila im Bleniotal.

Unterwegs genehmigen wir uns einen Kaffee in einer Osteria und sind fasziniert vom roten, samtglänzenden Fussboden. Er besteht aus Kunstharz – wie uns der Wirt erklärt.

Bei der Fahrt nach Aquila machen wir in Aquarossa Pause im Restaurant Bahnhof – obwohl da ja schon seit Jahrzenten keine Bahn mehr fährt.

Während Iren den Weg über Torre wählt, fahre ich über Ponte Valentino. Diese Strecke hat zwar etwas mehr Höhenunterschiede ist dafür sehr abwechslungsreich. Wir treffen beide fast gleichzeitig in Aquila ein.

Aquila. Wir habe Ruth gefragt, ob wir in ihrem Haus ein paar Tage bleiben dürfen … und es klappt.

Wir sind schon öfter hier gewesen – allerdings selten zu dieser Jahreszeit. Das Tal ist voll grün und die Wälder wirken üppig.

Vera kommt am Donnerstag zu uns und bringt Wanderschuhe mit – denn wir wollen zusammen hinauf in die Greina. Auch unsere Tochter Anna kann sich losreissen und kommt am Freitag Abend zu uns. In der Motterascio Hütte können wir glücklicherweise noch eine Übernachtung buchen, da eine Gruppe abgesagt hat.

Am Samstag Morgen geht es los. Erst mit dem Bus hinauf zum Lago die Luzzone. Wir wandern dem See entlang und dann bald hinauf zur Hütte.

Der Ausblick ist fantastisch von da oben. Anna und Vera wandern noch etwas weiter hinauf auf einen Gipfel, während Iren und ich schon die Füsse hochlagern und das Panorama bestaunen.

Das vegetarische Nachtessen ist gut. Der Raum mit all den plappernden Wandersleuten aber sehr laut. So gehen wir früh zu Bett und freuen uns auf die Greina, die wir am nächsten Tag durchwandern werden.

Um 8 Uhr sind wir bereit und machen uns auf den Weg. Nach einem kurzen Aufstieg schauen wir schon in Richtung Hochebene. Es wird wohl noch ein paar Flecken Schnee haben.

Um die Mittagszeit erreichen wir die Scaletta Hütte. Unten auf der Alp fährt der Bus erst um ca. 16 Uhr. Wir beschliessen auch noch nach Campo Blenio zu wandern. Das Tal mit den vielen Wasserfällen ist einzigartig.

Die Beine tun schon etwas weh. Wieder in Aquila. Anna fährt nach Hause. Nach der langen Zeit zu zweit war es richtig schön wieder einmal zusammen zu sein.

Nach dem Abendessen zieht Regen auf. Gut das wir ein Dach über dem Kopf haben.

Müde und zufrieden …

Schöne Alpenwelt.

Durch goldene Felder zurück ans Meer

Wir nähern uns dem inneren Ende des Absatzes. Hier liegt Taranto.

Kurz vor der Stadt kaufen wir einen Satz Kabelbinder, denn das Velokörbli von Iren muss neu befestigt werden. Eine richtige Halterung haben wir ja nicht. Doch im Hinterhof des Discounts findet sich ein Stück Holz … perfekt.

Taranto sei eine sehr dreckige Stadt, weil die Industrie die Luft verpestet. Wir merken nichts davon. Markant ist eine Dreh-Brücke, die das Mare Piccolo vom Mare Grande trennt. Taranto ist die Stadt der zwei Meere.

Die Altstadt ist zum Teil etwas zerfallen. Trotzdem finden wir einige schöne Ecken und essen frische, rohe Miesmuscheln und dazu ein Raffo Bier – das ergibt einen meerigen etwas herben Geschmack.

Nach Taranto folgen wir einer grossen Strasse vorbei an Raffinerien. Zum Glück entdecken wir einen kleinen Fluss, wo ins Badetuch gehüllte Leute auf ein Badevergnügen hoffen lassen. Und tatsächlich: Wir schwimmen ein kurzes Stück im Süsswasser. Eine herrliche Erfrischung!

Es hat nun sehr viel Landwirtschaft in der Ebene. Vor allem Weinbau. Beim Anstieg hinauf nach Laterza, verfolgen uns ca. 10-20 Hunde, die zum Glück bald müde werden. Müde sind wir auch und wir entschliessen uns eine längere Pause zu machen. In einem kleinen Appartement in Laterza spannen wir für drei Tage aus.

Bei der Hinfahrt haben wir nicht bemerkt, dass sich bei Laterza ein riesiger Canyon befindet. Am nächsten Tag, machen wir uns auf, das Naturwunder zu bestaunen. Der Pfad am Rande das Canyon ist schmal und wir sind wohl an diesem Tag die ersten die ihn begehen. Jedenfalls hat es viele Spinnennetze, die den Weg versperren wollen. Wir lassen uns nicht abhalten und geniessen bald die phantastische Aussicht.

Der Canyon ist nicht sehr gut zugänglich. Um so besser für die artenreiche Flora und Fauna.

Es geht weiter ins Landesinnere. Die Kulturhauptstadt Matera hat dieses Jahr viele Besucher. Der Blick in die Sassi ist es aber wert, denn Rummel zu ertragen. In den Höhlen wurde früher erbärmlich gehaust – Mensch und Vieh gemeinsam. Heute schaut man darauf als Kulturdenkmal. Welch ein Wandel.

Weiter geht es durch endlos viele Kornfelder. Das Korn ist reif und die Erntemaschinen fahren bis spät in die Nacht. Am Rand der abgemähten Felder lässt es sich gut übernachten. Das Stroh ist weich und der Sternenhimmel wieder grossartig.

Ausserhalb von Foggia wird die Provinzstrasse immer schlechter: fast mehr Löcher als Belag. Armselig. Und an einem Ort wird Rasen produziert – wohl für reichere Leute. Kontrast.

In San Savero haben wir genug. Wir nehmen den Zug nach Termoli. Endlich wieder das Meer. Wir leisten uns einen Zeltplatz, der leider an der Bahnlinie und der Hauptstrassse liegt. Witzig: Am Abend werden alle Liegestühle eingesammelt und mit einem im Schritttempo fahrenden Raupenfahrzeug abtransportiert. Weniger witzig: Jemand klaut mir das Akku-Ladegerät auf der Toilette.

Bei Porto Vasto entdeckt Iren das Restaurant IL CORSARO – und es ist ausgezeichnet. Vor allem die Fischsuppe (ganze Fische in Tomatensauce; gekocht und serviert im Tongeschirr; dazu geröstetes Brot und ausgiebig Weisswein … und viel Zeit … und ein Sorbetino … und sehr nette Gastgeber).

Gegen Abend fahren wir weiter und kommen zum Glück an der Küste auf eine ruhige Strasse – eine ehemalige Bahnlinie. Im Abendlicht wirken die Fischerhäuser auf Stelzen sehr bizarr.

Die meisten werden heutzutage als Restaurants genutzt. Wir fragen uns, wie so ein Gebilde den stürmischen Winter übersteht.

Die Nacht am Strand war wunderbar und erholsam. Wir lassen uns Zeit und gehen schwimmen. Die stillgelegte Bahnlinie bringt uns noch etwas weiter. Und das Törtchen mit Zitronencreme versüsst uns den Tag. Weg ist es.

Einmal um den Absatz, bitte.

Schroffe Felsen an der Küste – wir lieben es! Viele Italiener bevorzugen den Sandstrand. Klar hat der auch seine Schönheit. Und im flachen Wasser ins Meer hinaus zu spazieren hat auch seinen Reiz.

Doch wir springen lieber von der Felskante ins tiefe, blaue Meer und bestaunen die Unterwasserwelt, die sich in den Ritzen und Spalten versteckt.

Heiss ist es hier – doch die Fahrt an der Küste ist sehr entspannt und es hat wenig Verkehr. Viel trinken ist angesagt: tagsüber meist Wasser – es darf aber auch mal so was sein …

Quasi 1.5 Liter Campari Soda … herrlich bitter, eiskalt, ohne Alkohol.

Olivenbäume hat es viele – zum Teil recht skurrile Formen. Wie wir später lernen sind hier viele wegen einer Krankheit kaputt gegangen. Schade, denn die Bäume sind prächtig und kräftig. Sie passen in diese Landschaft.

Um die Mittagszeit fahren wir meist nicht mehr weiter. Auch ein Lido mit Liegestuhl und Sonnenschirm gönnen wir uns mal. Oft suchen wir auch nur Schatten und lassen die Zeit vergehen.

Einige Male haben wir irgendwo unterwegs übernachtet. Regen gibt es kaum mehr und wir stellen nur noch das Innenzelt auf – das gibt mehr Luft, denn es kühlt jetzt in der Nacht auch nicht mehr so stark ab.

Auf der Ostseite des italienischen Absatzes ist die Küste sehr steil und es hat relativ wenige Orte. Eine Bar lässt sich am Morgen jedoch meist finden, und wir geniessen unseren Capuchino mit Brioche – oder wie hier üblich auch mal ein feines Mürbegebäck.

Santa Maria de Leuca ist die Stadt an der Südspitze des Absatzes. Ein paar Kilometer weiter nach Westen finden wir einen Zeltplatz, der fast mehr einem botanischen Garten gleicht. Francesco heisst der Künstler, der dieses kleine Paradies gestaltet hat.

Beim einchecken auf dem Campingplatz spricht uns die Frau am Empfang bald auf Schweizerdeutsch an – denn sie stammt von Dübendorf und ist mit 30 hierher gezogen mit ihrem Mann. Die Beiz und Bar sind zwar nicht mehr im Betrieb auf dem Campingplatz – dafür hat es einen Getränkeautomaten, der auf Knopfdruck feinste heisse Schoggi in Selecta-Qualität produziert.

Unsere Reise geht weiter und wir fahren im Westen an der Absatzspitze wieder hoch.

Iren lacht bald im neuen weissen Kleid. Sie hat es bei einem Strandverkäufer erstanden: ein sehr entspannter Typ. „Non ché lavoro qui“, sagt er – und wirkt doch sehr zufrieden und glücklich.

Der Torre del Sud steht recht einsam da. Belebungsmassnahmen sind wohl geplant – zumindest wird aufwändig gebaut in der Nähe.

Iren findet den passenden Hut zum Strandkleid – Kleider machen Leute!

Gallipoli kommt näher. Wieder mal eine richtige Stadt.

Bei der Kirche entdecken wir einen Kunstflechter, der wunderbare Objekte schafft – einige praktisch, aber alle wunderschön.

Anita aus Zug hat uns diesen Tipp gegeben und wir finden auch den alten Reusenflecher unten am Hafen.

Bei so viel Routine beim Flechten bleibt auch genügend Aufmerksamkeit für viele Gespräche.

Als wir weiter fahren wollen und zurück gehen zu unseren Velos, treffen wir Salvatore. Nach dem er herausgefunden hat, dass wir aus der Schweiz kommen, sprudelt es los: In Frauenfeld habe er für Hero als Mechaniker gearbeitet. Er liebt das Velofahren und hat ein Schweizer Militärvelo zu Hause – er ist sogar mal die ganze Strecke bis nach Gallipoli per Velo gefahren.

Jetzt ist wieder Wochenende und der Strand ist voller als sonst. Auf der Westseite des Absatzes ist das Meer einfacher zugänglich und die Ortschaften sind lebendiger.

Noch lieber als den Supermarkt mögen wir die kleinen Geschäfte. Wenn man freundlich ist, dann kommt das auch von den Leuten zurück. So kann es sein, dass man beim Einkaufen an der Theke einen Kaffee offeriert bekommt. Einfach so weil das Leben Freude macht. Zugegeben: wir haben dann auch gleich ein Päckli Kafi gekauft – denn schliesslich werde der nur hier so geröstet. Aber das passt schon 🙂

Baden und Essen – die meisten Italiener lieben das wohl auch. Einen habe ich getroffen, der hasst den Sommer. Seine Passion sei der Winter und das Fischen gesteht er mir auf italienisch und ganz langsam und deutlich gesprochen.

Sommer und Hitze – im Moment geniessen wir das noch sehr.

Das holländische ältere Ehepaar, das wir auf dem Campingplatz angetroffen haben, macht sich auf den Heimweg. Erst im Herbst reisen sie wieder in den Süden.

Wir werden sehen.

Montenegro – ein neuer Plan

Tagsüber den Strand zu geniessen und am frühen Morgen fahren ist wohl ein guter Plan. Und die Strände und Buchten sind wirklich wunderbar.

Dennoch sind wir etwas gefangen: Es gibt meist nur die eine Küstenstrasse und obwohl die Autos und Lastwagen meist rücksichtsvoll fahren, ist es mühsam. In die Berge wollen wir nicht. Erst mal weiter nach Bar. Wir fahren schon um 05:30 los und erreichen Bar gerade rechtzeitig als die ersten Bäcker ihre frischen Waren in die Auslage legen. Fein … und Iren macht ihren Morgenschwumm.

Bar ist eine neuere Stadt und sehr authentisch, lebendig (nicht wie z.B. Tiva, das sehr pompös und touristisch ist).

Wir fassen einen neuen Plan ins Auge: von Bar nach Bari fährt eine Fähre – zurück nach Italien. Der Entscheid ist nicht leicht – doch wie sich bald zeigen wird doch sehr gut.

Da die Fähre erst am Abend fährt, beschliessen wir einen Abstecher nach Stari Bar (Alt Bar) zu machen. Der historische Teil von Alt Bar ist eine Ruine, die teilweise wieder in Stand gestellt ist und für kulturelle Zwecke genutzt wird. Der Ausblick in die „schwarzen Berge“ ist atemberaubend.

Zum Mittagessen geniessen wir einen Gemüseteller in einem der zahlreichen Restaurants an der Hauptgasse. Der Kellner erinnert uns sehr an Sämi aus dem Tessin – gell, Anna 🙂

Die Fähre soll um 21 Uhr losfahren. Zurück am Hafen in Bar treffen wir eine andere Velofahrerin. Frida ist 67 und reist alleine mit dem Velo. Sie kommt gerade aus Albanien und bestätigt uns, dass der Verkehr für die Velofahrer wirklich ein Problem ist. Schade – um so mehr freuen wir uns jetzt auf Italien.

Pilote kommt an Bord.

Die Überfahrt dauert keine 10 Stunden und das Meer ist recht ruhig.

Von Bari aus fahren wir der Küste entlang nach Süden. Kaum zu glauben, doch das Meer riecht hier ganz anders – irgendwie würziger.

Macht Lust auf einen feinen Apero mit Meeresfrüchten. Gesagt – getan. Miam.

Die Küstenstrasse hier verläuft parallel zur Autobahn und hat deshalb wenig Verkehr und zeitweise sogar einen separaten mit Oleander gesäumten Veloweg.

Mir gefällt die einfache, schnörkellose Art der Hotels, Häuser und generell der Architektur. Sehr pragmatisch und klar.

Auf unserem Weg liegt Polignano a Mare. Die Altstadt steht auf den Klippen. Etwas viel Trubel.

Vor Monopoli finden wir einen Platz zum Übernachten in Mitten einer Wiese umgeben von Trulli.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Monopoli. Da waren wir vor einigen Jahren schon mal während den Osterferien – es war kalt und doch wunderschön. Wie wird es jetzt wohl sein, bei diesen sommerlichen Temperaturen?

Kurz gesagt – super. Das Meer ist klar und kühl. In den Gassen der Altstadt weht ein erfrischender Wind. Die Italiener sind sehr freundlich. Uns ist es richtig wohl.

Mit AirBnB finden wir ein Studio, Parterre an einer kleinen Piazza gelegen. Die Wohnungstür führt direkt aufs Trotoir.

Auf dem Platz befindet sich ein Karussell, das sich am Abend leuchtend dreht und Kinder erfreut.

Gleich gegenüber von uns steht eine Tafel mit den Todesanzeigen. Sie wird rege besucht – meist von älteren Menschen.

Das unsere Reise in Italien weitergeht, hätten wir nicht gedacht. Wir möchten den ganzen Absatz des italienischen Stiefels umfahren – mal sehen, ob uns dies gelingt. Die Zeichen stehen gut!

Bella Italia.